Curriculum der Weiterbildung in psychoanalytischer Paartherapie

Die Bedingungen zum Weiterbildungsgang ab 2021 werden hier noch veröffentlicht.

Hier Allgemeines:

I. Themen psychoanalytischer Paartherapie

Das Institut für Paartherapie (IFP) e.V. bietet seit 2004 eine berufsbegleitende Weiterbildung in psychoanalytischer Paartherapie an. Mittlerweile fanden 50 Workshops statt (Stand Februar 2021).

Eine wesentliche Basis stellen die Überlegungen von Henry Dicks zum unbewussten Zusammenspiel von Paaren dar, wie sie Jürg Willi im deutschen Sprachraum bekannt gemacht hat (Kollusion). Ein weiteres zentrales Konzept sind die objektbeziehungspsychologischen Ansätze, wie sie z.B. von W.R.D. Fairbairn, M. Balint, D.W. Winnicott, D. Scharff und J.S. Scharff vertreten werden. J. Bowlbys Ergebnisse der Bindungsforschung wie auch Fonagys Überlegungen zur Mentalisierung haben in ihrer Anwendung auf die Beziehung in der Partnerschaft weitere wichtige Impulse auf die Entwicklung der psychoanalytischen Paartherapie gegeben und werden mitberücksichtigt. Von großer Bedeutung sind auch die Beiträge zur Weiterentwicklungen von H.-E. Richter, T. Bauriedl und M.L. Moeller.

Das Verstehen der unbewussten Paarabwehr, wie sie sich in speziellen, gemeinsam operierenden Abwehrmechanismen zeigt und die Förderung der gegenseitigen Einfühlung sind wichtige Elemente der Paartherapie, die zu einer bewussten Beziehung führen soll

Die Weiterbildung soll dazu befähigen, psychodynamische  Konflikt- und Beziehungsstrukturen von Paaren zu erkennen und zu verstehen sowie die sich entfaltenden Übertragungs- und Gegenübertragungsprozesse in der Arbeit mit Paaren wahrzunehmen, als Mittel der Kommunikation zu begreifen und für den therapeutischen Prozess fruchtbar zu machen. Der Erwerb diagnostischer Fertigkeiten, paartherapeutischer Haltung und Behandlungskompetenz sind weitere zentrale Lernziele.

Das Verstehen der zugrunde liegenden Paardynamik, der therapeutische Umgang mit den sich entfaltenden unbewussten Prozessen in der Behandlungssituation und das gezielte Einsetzen der eigenen inneren Vorgänge als zentrales therapeutisches Instrument sollen vermittelt werden. Die begleitende Selbsterfahrung soll dieses Instrument präziser „stimmen“.

Diese Verschränkung von Theorievermittlung mit eigenen Erfahrungen ermöglicht es, kognitiv und emotional stimmig, authentisch, zugleich reflektierend und deutend Paare in der Krise therapeutisch begleiten zu können. Fallvorstellungen und Diskussionen dienen der ergänzenden Illustration der Verstehensmöglichkeiten und helfen beim therapeutischen Umgang mit schwierigen Situationen.

Psychoanalytische  Paartherapie als Methode findet Anwendung in der Krisenintervention, der Fokaltherapie und Paarberatung sowie als Langzeittherapie, außerdem zusammen mit Kennt­nissen in Gruppenanalyse, die nicht Bestandteil dieses Curriculums ist, als Paargruppenanalyse.


II. Teilnahme an der Weiterbildung

Das Weiterbildungsangebot richtet sich an:

Interessenten aus dem Bereich der in der Richtlinienpsychotherapie tätigen Therapeuten (Ärztliche und Psychologische Psychotherapeuten, Analytische Kinder und Jugendlichenpsychotherapeuten) und

Interessenten aus allen anderen Berufsgruppen, die mit Paaren arbeiten (SozialpädagogInnen, MitarbeiterInnen in Beratungsstellen und Kliniken, KrankenhausseelsorgerInnen, SupervisorInnen und verwandte Berufsgruppen).

Voraussetzung ist eine abgeschlossene, wenn möglich psychotherapeutische oder beraterische Berufsausbildung, die parallel zur Weiterbildung eine Arbeit mit Paaren ermöglicht. Alle Bewerber sollen in ihren Berufsfeldern während der Weiterbildung therapeutisch beziehungsweise beraterisch tätig sein.

Die Bewerber sollten psychoanalytische Grundkenntnisse aufweisen oder in der ersten Phase der Weiterbil­dung diese an einem psychoanalytischen Ausbildungsinstitut im Rahmen der dort angebotenen Veranstaltungen erwerben.

Die Zulassung zur Weiterbildung erfolgt nach einem, im Zweifel nach mehreren Aufnahmegesprächen mit Mitgliedern des Weiterbildungsausschusses des Instituts für Paartherapie.


III. Kosten

Die Gebühr für die Veranstaltungen ist jeweils spätestens 3 Wochen vor dem jeweiligen Termin zu entrichten.

Abmeldungen von den Workshops müssen mindestens 4 Wochen vorher schriftlich beantragt werden, ansonsten werden Ausfallkosten in Höhe der Hälfte der jeweiligen Gebühr fällig. Ohne Absage mindestens 2 Wochen vor Beginn oder bei Nichterscheinen zu Workshop-Beginn wird die gesamte Gebühr fällig.

Die Gebühren für externe Prüfungen regelt die zuletzt gültige Prüfungsordnung.


IV. Mindestanforderungen

Die Weiterbildung in psychoanalytischer Paartherapie wird voraussichtlich mindestens drei Jahre dauern.

Inhalte der Weiterbildung, hier erst einmal grundsätzlich:

 

Verpflichtende Themen sind:

Übertragung, Gegenübertragung, Konfliktmodell, Traumatisierung, Abwehrformen und -mechanismen, projektive Identifizierung, Entwicklungsphasen, Narzissmus.

Theorien der Paarbeziehung (Dicks, Willi, Scharff und Scharff, Richter, Moeller, Bauriedl und andere).

Setting, Diagnostik der Paarbeziehung, nonverbale Dimensionen der Partnerschaft, Prognose, Therapieziele.

Paartherapeutische Haltung und Neutralität, Anfangs- und Abschlussphase, Frequenz, Bedeutung von Einzeltherapie.

Spezielle Interventionsmöglichkeiten bei unterschiedlichen Paartherapieformen, Zwiegespräche nach M.L. Moeller, Grundlagen der Paargruppenanalyse und Sexualtherapie.

Selbsterfahrung intern (während der Workshops)

Supervisionen intern (während der Workshops)

Extern

Notwendig ist eine bestimmte Menge an UE an Supervision als Einzel- oder Gruppensupervision für die paartherapeutischen Fälle. Insgesamt sollen extern und intern eine bestimmte Anzahl an Paartherapiesitzungen besprochen werden. Es sollen verschiedene Fälle in den Supervision vorgestellt werden. Näheres regelt eine eigene Supervisionsordnung.

Zum Abschluss müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein:, die noch veröffentlicht werden.

Das IFP stellt ein qualifiziertes Zertifikat aus. Zusammen mit der Empfehlung, eine aufbauende familientherapeutische Weiterbildung an einem Institut des Bundesverbandes Psychoanalytische Paar- und Familientherapie (BvPPF) zu absolvieren, stellt es den notwendigen fachlichen Nachweis für die Aufnahme als ordentliches Mitglied in den BvPPF dar. Näheres regelt die jeweils letzte Aufnahmeordnung und die Satzung des BvPPF. Ein Rechtsanspruch besteht nicht.