C u r r i c u l u m
der Weiterbildung in psychoanalytischer Paartherapie
am Institut für Paartherapie (IFP) e.V.

 

I. Psychoanalytische Paartherapie

Das Institut für Paartherapie (IFP) e.V. bietet eine berufsbegleitende Weiterbildung in psychoanalytischer Paartherapie an.

Eine wesentliche Basis stellen die Überlegungen von Henry Dicks zum unbewussten Zusammenspiel von Paaren dar, wie sie Jürg Willi im deutschen Sprachraum bekannt gemacht hat (Kollusion). Ein weiteres zentrales Konzept sind die objektbeziehungspsychologischen Ansätze, wie sie z.B. von W.R.D. Fairbairn, M. Balint, D.W. Winnicott, D. Scharff und J.S. Scharff vertreten werden. J. Bowlbys Ergebnisse der Bindungsforschung haben in ihrer Anwendung auf die Beziehung in der Partnerschaft weitere wichtige Impulse auf die Entwicklung der psychoanalytischen Paartherapie gegeben und werden mitberücksichtigt. Von großer Bedeutung sind auch die Beiträge zur Weiterentwicklung der Paartherapie von H.-E. Richter, T. Bauriedl und M.L. Moeller.

Das Verstehen der unbewussten Paarabwehr, wie sie sich in speziellen, gemeinsam operierenden Abwehrmechanismen zeigt und die Förderung der gegenseitigen Einfühlung sind wichtige Elemente der Paartherapie, die zu einer bewussten Beziehung führen soll.

Ziele der Weiterbildung sind die Befähigung, psychodynamische Konflikt- und Beziehungsstrukturen von Paaren zu erkennen und zu verstehen, sowie die sich entfaltenden Übertragungs- und Gegenübertragungsprozesse in der Arbeit mit Paaren wahrzunehmen und für den therapeutischen Prozess fruchtbar zu machen.

Das Verstehen der zugrunde liegenden Paardynamik, der therapeutische Umgang mit den sich entfaltenden unbewussten Prozessen in der Behandlungssituation und das gezielte Einsetzen der eigenen inneren Vorgänge als zentrales therapeutisches Instrument sollen vermittelt werden. Die begleitende Selbsterfahrung soll dieses Instrument präziser „stimmen“.

Diese Verschränkung von Theorievermittlung mit eigenen Erfahrungen ermöglicht es, kognitiv und emotional stimmig, authentisch, zugleich reflektierend und deutend Paare in der Krise therapeutisch begleiten zu können. Fallvorstellungen und Diskussionen dienen der ergänzenden Illustration der Verstehensmöglichkeiten und helfen beim therapeutischen Umgang mit schwierigen Situationen.

Psychoanalytische Paartherapie als Methode findet Anwendung in der Krisenintervention, der Fokaltherapie und Paarberatung sowie als Langzeittherapie, außerdem zusammen mit Kennt­nissen in Gruppenanalyse, die nicht Bestandteil dieses Curriculums ist, als Paargruppenanalyse.

 
II. Ziele der Weiterbildung

Die Weiterbildung soll dazu befähigen, psychodynamische Konflikt- und Beziehungsstrukturen von Paaren zu erkennen und zu verstehen sowie die sich entfaltenden Übertragungs- und Gegenübertragungsprozesse in der Arbeit mit Paaren wahrzunehmen, als Mittel der Kommunikation zu begreifen und für den therapeutischen Prozess fruchtbar zu machen. Der Erwerb diagnostischer Fertigkeiten, paartherapeutischer Haltung und Behandlungskompetenz sind weitere zentrale Lernziele.

 
III. Teilnahme an der Weiterbildung

Das Weiterbildungsangebot richtet sich an

Interessenten aus dem Bereich der in der Richtlinienpsychotherapie tätigen Therapeuten (Ärztliche und Psychologische Psychotherapeuten, Analytische Kinder  und Jugendlichenpsychotherapeuten) und

Interessenten aus allen anderen Berufsgruppen, die mit Paaren arbeiten (SozialpädagogInnen, MitarbeiterInnen in Beratungsstellen und Kliniken, KrankenhausseelsorgerInnen, SupervisorInnen und verwandte Berufsgruppen).

Voraussetzung ist eine abgeschlossene, wenn möglich psychotherapeutische oder beraterische Berufsausbildung, die parallel zur Weiterbildung eine Arbeit mit Paaren ermöglicht. Alle Bewerber sollen in ihren Berufsfeldern während der Weiterbildung therapeutisch beziehungsweise beraterisch tätig sein.

Die Bewerber sollten psychoanalytische Grundkenntnisse aufweisen oder in der ersten Phase der Weiterbil­dung diese an einem psychoanalytischen Ausbildungsinstitut im Rahmen der dort angebotenen Veranstaltungen erwerben.

Die Zulassung zur Weiterbildung erfolgt nach einem, im Zweifel nach mehreren Aufnahmegesprächen mit Mitgliedern des Weiterbildungsausschusses des Instituts für Paartherapie.

 
IV. Kosten

Die Gebühr für die Wochenendveranstaltungen ist jeweils spätestens 3 Wochen vor dem jeweiligen Termin zu entrichten.

Die Teilnahme an der Weiterbildung ist von beiden Vertragspartnern jeweils zum nächsten Workshop kündbar.

Abmeldungen von den Workshops müssen mindestens 4 Wochen vorher schriftlich beantragt werden, ansonsten werden Ausfallkosten in Höhe der Hälfte der jeweiligen Gebühr fällig. Ohne Absage mindestens 2 Wochen vor Beginn oder bei Nichterscheinen zu Workshop-Beginn wird die gesamte Gebühr fällig.

Die Gebühren für externe Prüfungen regelt die zuletzt gültige Prüfungsordnung.

 
V. Mindestanforderungen

Die Weiterbildung in psychoanalytischer Paartherapie dauert mindestens drei Jahre.
 

Inhalte der Weiterbildung

• In den Workshops:

Theorie 84 UE (Unterrichtseinheiten entsprechend 45 Minuten)

Verpflichtende Themen sind:
 
1. Psychoanalytische Grundbegriffe:
Übertragung, Gegenübertragung, Konfliktmodell, Traumatisierung, Abwehrformen und -mechanismen, projektive Identifizierung, Entwicklungsphasen, Narzissmus.

2. Grundlagen der Paardynamik und –therapie:
Theorien der Paarbeziehung (Dicks, Willi, Scharff und Scharff, Richter, Moeller, Bauriedl und andere).

3. Das Erstgespräch, Diagnostik und Indikation:
Setting, Diagnostik der Paarbeziehung, nonverbale Dimensionen der Partnerschaft, Prognose, Therapieziele.

4. Arbeitsbündnis und Therapieverlauf:
Paartherapeutische Haltung und Neutralität, Anfangs- und Abschlussphase, Frequenz, Bedeutung von Einzeltherapie.

5. Behandlungstechnik:
spezielle Interventionsmöglichkeiten bei unterschiedlichen Paartherapieformen, Zwiegespräche nach M.L. Moeller, Grundlagen der Paargruppenanalyse und Sexualtherapie.
 
Selbsterfahrung intern (während der Workshops) 60 UE
Supervisionen    intern (während der Workshops) 36 UE

• Extern:
Notwendig sind mindestens 24 UE Supervision als Einzel- oder Gruppensupervision für die paartherapeutischen Fälle. Insgesamt sollen extern und intern 80 Paartherapiesitzungen besprochen werden. Insgesamt sollen mindestens drei verschiedene Fälle in den Supervision vorgestellt werden. Näheres regelt eine eigene Supervisionsordnung.

Zum Abschluss müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Teilnahme an 9 Workshops (3 Jahre). Ein Jahresdurchgang besteht aus einem langen Workshop (Donnerstag bis Sonntag) und zwei kurzen Workshops (Freitag bis Sonntag).
  • Ein schriftlich dokumentiertes und auf einem Workshop vorgetragenes Referat.
  • Eine schriftlich dokumentierte Beratung/Therapie, die in einem kasuistischen Seminar vorgetragen wird. 60 Sitzungen Supervision (36 UE intern während der Workshops, 24 UE extern) mit drei einzeln oder in einer Gruppe supervidierten Fällen.
  • Nach der erfolgreich abgeschlossenen Falldarstellung bildet ein Kolloquium in Form eines Gespräches zwischen den TeilnehmerInnen und den DozentInnen des Instituts für Paartherapie (IfP) e.V. den Abschluss. Das Kolloquium dient neben dem Fallgespräch dem gegenseitigen Austausch über Inhalte und Verlauf der Weiterbildung und einer abschließenden Evaluierung.
  • Das IfP stellt ein qualifiziertes Zertifikat aus. Zusammen mit der dringenden Empfehlung, eine aufbauende familientherapeutische Weiterbildung an einem Institut des Bundesverbandes Psychoanalytische Paar- und Familientherapie (BvPPF) zu absolvieren, stellt es den notwendigen fachlichen Nachweis für die Aufnahme als ordentliches Mitglied in den BvPPF dar. Näheres regelt die jeweils letzte Aufnahmeordnung und die Satzung des BvPPF. Ein Rechtsanspruch besteht nicht.


Prüfungsabläufe etc. regelt eine eigene Prüfungsordnung.

Fassung vom 12.10.2012 in der Revision vom 25.11.2014




Weitere Dokumente

 


Supervisionsordnung

 
Prüfungsordnung